widerlegt
„Rabenvögel vermehren sich ungezügelt, erreichen unnatürlich hohe Dichten und nehmen ohne Bejagung überhand.“
Rabenvogelbestände sind durch die Kapazität ihres Lebensraums begrenzt, nicht durch die Jagd. Eine "unnatürlich hohe" Dichte kann es deshalb definitionsgemäß nicht geben.
widerlegt
„Elstern und Krähen plündern die Nester und sind schuld daran, dass es immer weniger Singvögel gibt.“
Nestplünderung findet statt, aber sie schlägt nicht auf die Bestände durch. Die umfangreichsten Langzeitauswertungen finden keinen Zusammenhang zwischen Rabenvogeldichte und Singvogeltrend.
widerlegt
„Rabenvögel sind schuld am Verschwinden des Niederwilds aus der Feldflur und am Rückgang der Wiesenbrüter.“
Der Rückgang folgt dem Umbau der Agrarlandschaft seit den 1950er Jahren. Rabenvögel der offenen Feldflur sind im selben Zeitraum mit zurückgegangen — sie können nicht Ursache eines Trends sein, den sie teilen.
widerlegt
„Rabenvögel verdrängen andere Vogelarten aus ihren Lebensräumen, indem sie deren Gelege zerstören.“
Gelegeprädation ist ein normaler ökologischer Vorgang, den Beutepopulationen ausgleichen. Ein daraus folgender Verdrängungseffekt auf Populationsebene ist nicht belegt.
teilweise zutreffend
„Kolkraben hacken Lämmer und neugeborene Kälber tot.“
Die Regel ist Aasnutzung an bereits toten oder sterbenden Tieren. Angriffe auf gesunde Neugeborene sind Ausnahmefälle — dokumentiert, aber selten, und meist an geschwächte Tiere gebunden.
teilweise zutreffend
„Rabenvögel sind eine Ernteplage und verursachen erhebliche landwirtschaftliche Schäden.“
Lokale Schäden an Maissaat und Silofolie gibt es und sie sind ärgerlich. Ein flächenrelevantes Schadensbild ist nicht belegt, und die wirksamen Gegenmittel sind technischer Art.
widerlegt
„Rabenvögel müssen geschossen werden, um die Verbreitung der Schweinepest zu verhindern.“
Eine mechanische Verschleppung durch Aasfresser ist theoretisch möglich, spielt im realen Seuchengeschehen aber keine tragende Rolle. Der Haupttreiber ist der Mensch.
teilweise zutreffend
„Rabenvögel verhindern, dass gefährdete Arten in ihre angestammten Lebensräume zurückkehren.“
Prädationsdruck kann Wiederansiedlungen erschweren, wenn der Lebensraum nicht trägt. Als Ursache des Scheiterns steht fast immer die Habitatqualität an erster Stelle.
teilweise zutreffend
„Rabenvögel besiedeln zunehmend Wohngebiete, müssen dort reguliert werden und dezimieren die örtlichen Singvogelbestände.“
Die Zunahme in Siedlungen ist real, die Schadwirkung auf Gartenvögel nicht belegt. Konflikte um Lärm, Kot und Brutzeitattacken lassen sich fast immer ohne Eingriff in den Bestand lösen.
teilweise zutreffend
„Rabenvögel dezimieren die Bestände seltener Arten oder rotten sie sogar aus.“
Bei sehr kleinen, isolierten Restpopulationen kann Prädation den Ausschlag geben. Sie ist dann aber der letzte Faktor in einer Kette, deren Anfang immer der Lebensraumverlust ist.
widerlegt
„Elstern stehlen glänzende Gegenstände und tragen sie in ihr Nest.“
Ein experimenteller Test fand keine Anziehung durch glänzende Objekte — im Gegenteil, die Vögel reagierten vorsichtig. Der Ruf stammt aus der Kulturgeschichte, nicht aus der Beobachtung.