Dohle (Coloeus monedula)
Die kleinste heimische Krähe — taubengroß, mit silbergrauem Nacken und auffällig hellen Augen.

Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Coloeus monedula (Linnaeus, 1758) |
|---|---|
| Familie | Rabenvögel (Corvidae) |
| Körperlänge | 33–39 cm |
| Flügelspannweite | rund 70 cm |
| Gewicht | 174–300 g |
| Ruf | Kurzes, metallisch schnalzendes „kja“ oder „tschack“ — der Name ist lautmalerisch |
| Brut | 4–6 Eier (2–8) · 16–20 Tage Brutdauer · 28–41 Tage Nestlingszeit |
| Bestand in Deutschland | 83.000–140.000 Brutpaare |
| Bestandstrend | bundesweit stabil, regional deutlich rückläufig |
| Lebenserwartung | Ø rund 2 Jahre 7 Monate; Höchstalter 20 Jahre 4 Monate |
| Schutzstatus | Besonders geschützt; nicht jagdbar. In mehreren Bundesländern auf Roter Liste oder Vorwarnliste |
Die Dohle ist die kleinste heimische Krähenart und diejenige, die am ehesten sympathisch wirkt: kompakt, taubengroß, mit einem hellen Auge, das dem Gesicht einen ungewöhnlich aufmerksamen Ausdruck gibt.
Erkennen
Deutlich kleiner als alle anderen schwarzen Rabenvögel, mit kurzem Schnabel und kurzem Schwanz — dadurch wirkt sie gedrungen. Das Gefieder ist schwarz mit Glanz, Hinterkopf, Nacken und Ohrdecken sind silbergrau abgesetzt. Am unverwechselbarsten sind die Augen: hellblau bis fast weiß, bei keiner anderen heimischen Krähe so.
Im Flug fällt der schnellere, flatterndere Flügelschlag auf. Dohlen sind fast immer in Gesellschaft unterwegs, oft gemeinsam mit Saatkrähen, und rufen dabei ständig.
Lebensweise
Dohlen leben in lebenslangen Paaren und in festen sozialen Verbänden mit ausgeprägter Rangordnung. Die Bindung entsteht früh und hält auch außerhalb der Brutzeit; Partner bleiben im Schwarm zusammen und sind auf Distanz an ihrem Rufkontakt zu erkennen.
Gefressen wird überwiegend Kleines: Insekten, andere Wirbellose, Sämereien und Getreide, dazu Schnecken, gelegentlich kleine Wirbeltiere, Eier, Aas und Abfall. Die Nahrungssuche findet meist am Boden auf kurzrasigen Flächen statt — Wiesen, Weiden, Parks, Sportplätze.
Nistplatz als Engpass
Anders als alle übrigen heimischen Rabenvögel ist die Dohle Höhlenbrüterin. Sie nutzt Felsspalten, alte Schwarzspechthöhlen, Baumhöhlen — vor allem aber Bauwerke: Kirchtürme, Mauerlöcher, Schornsteine, Nischen an Industriegebäuden, hohle Metallkonstruktionen.
Genau daraus ergibt sich ihr Hauptproblem. Turmsanierungen, vergitterte Schalllöcher, geschlossene Schornsteine und der Verlust alter Bäume mit Höhlen nehmen ihr die Brutplätze. Der bundesweite Bestand gilt zwar als stabil, regional sind die Rückgänge aber erheblich; in Bayern steht die Art auf der Vorwarnliste, in Teilen Frankens und Ostbayerns gilt sie als gefährdet.
Das macht die Dohle zur Art, bei der praktischer Schutz am direktesten wirkt: Wer bei einer Kirchturmsanierung Einflugöffnungen erhält oder Nistkästen einbaut, sieht das Ergebnis in der nächsten Brutsaison. Der NABU rief sie 2012 zum Vogel des Jahres aus, um genau darauf aufmerksam zu machen.
Rechtlicher Status
Die Dohle ist besonders geschützt und in keinem Bundesland jagdbar. Eingriffe sind nur über eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung möglich. Brutstätten sind ganzjährig geschützt, weil Dohlen ihre Nistplätze über Jahre wiederverwenden — ein Punkt, der bei Sanierungen regelmäßig übersehen wird. Details unter Nest und Nistplatz.
Quellen
Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten