Dohle (Coloeus monedula)

Die kleinste heimische Krähe — taubengroß, mit silbergrauem Nacken und auffällig hellen Augen.

Dohle im Gras: silbergrauer Nacken, kurzer Schnabel und die charakteristischen hellblauen Augen
Foto: Alexis Lours · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Coloeus monedula (Linnaeus, 1758)
Familie Rabenvögel (Corvidae)
Körperlänge 33–39 cm
Flügelspannweite rund 70 cm
Gewicht 174–300 g
Ruf Kurzes, metallisch schnalzendes „kja“ oder „tschack“ — der Name ist lautmalerisch
Brut 4–6 Eier (2–8) · 16–20 Tage Brutdauer · 28–41 Tage Nestlingszeit
Bestand in Deutschland 83.000–140.000 Brutpaare
Bestandstrend bundesweit stabil, regional deutlich rückläufig
Lebenserwartung Ø rund 2 Jahre 7 Monate; Höchstalter 20 Jahre 4 Monate
Schutzstatus Besonders geschützt; nicht jagdbar. In mehreren Bundesländern auf Roter Liste oder Vorwarnliste

Die Dohle ist die kleinste heimische Krähenart und diejenige, die am ehesten sympathisch wirkt: kompakt, taubengroß, mit einem hellen Auge, das dem Gesicht einen ungewöhnlich aufmerksamen Ausdruck gibt.

Erkennen

Deutlich kleiner als alle anderen schwarzen Rabenvögel, mit kurzem Schnabel und kurzem Schwanz — dadurch wirkt sie gedrungen. Das Gefieder ist schwarz mit Glanz, Hinterkopf, Nacken und Ohrdecken sind silbergrau abgesetzt. Am unverwechselbarsten sind die Augen: hellblau bis fast weiß, bei keiner anderen heimischen Krähe so.

Im Flug fällt der schnellere, flatterndere Flügelschlag auf. Dohlen sind fast immer in Gesellschaft unterwegs, oft gemeinsam mit Saatkrähen, und rufen dabei ständig.

Lebensweise

Dohlen leben in lebenslangen Paaren und in festen sozialen Verbänden mit ausgeprägter Rangordnung. Die Bindung entsteht früh und hält auch außerhalb der Brutzeit; Partner bleiben im Schwarm zusammen und sind auf Distanz an ihrem Rufkontakt zu erkennen.

Gefressen wird überwiegend Kleines: Insekten, andere Wirbellose, Sämereien und Getreide, dazu Schnecken, gelegentlich kleine Wirbeltiere, Eier, Aas und Abfall. Die Nahrungssuche findet meist am Boden auf kurzrasigen Flächen statt — Wiesen, Weiden, Parks, Sportplätze.

Nistplatz als Engpass

Anders als alle übrigen heimischen Rabenvögel ist die Dohle Höhlenbrüterin. Sie nutzt Felsspalten, alte Schwarzspechthöhlen, Baumhöhlen — vor allem aber Bauwerke: Kirchtürme, Mauerlöcher, Schornsteine, Nischen an Industriegebäuden, hohle Metallkonstruktionen.

Genau daraus ergibt sich ihr Hauptproblem. Turmsanierungen, vergitterte Schalllöcher, geschlossene Schornsteine und der Verlust alter Bäume mit Höhlen nehmen ihr die Brutplätze. Der bundesweite Bestand gilt zwar als stabil, regional sind die Rückgänge aber erheblich; in Bayern steht die Art auf der Vorwarnliste, in Teilen Frankens und Ostbayerns gilt sie als gefährdet.

Das macht die Dohle zur Art, bei der praktischer Schutz am direktesten wirkt: Wer bei einer Kirchturmsanierung Einflugöffnungen erhält oder Nistkästen einbaut, sieht das Ergebnis in der nächsten Brutsaison. Der NABU rief sie 2012 zum Vogel des Jahres aus, um genau darauf aufmerksam zu machen.

Rechtlicher Status

Die Dohle ist besonders geschützt und in keinem Bundesland jagdbar. Eingriffe sind nur über eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung möglich. Brutstätten sind ganzjährig geschützt, weil Dohlen ihre Nistplätze über Jahre wiederverwenden — ein Punkt, der bei Sanierungen regelmäßig übersehen wird. Details unter Nest und Nistplatz.

Quellen

  1. avi-fauna.info: Dohle (Coloeus monedula) — Bestand, Verbreitung, Nistplätze.
  2. Wikipedia: Dohle — Maße, Brutbiologie, Lebenserwartung, Nistplatzwahl.
  3. LBV: Artenporträt Dohle — Kennzeichen und Bestandssituation in Bayern.
  4. NABU: Die Dohle — Vogel des Jahres 2012.

Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten