Rabenkrähe (Corvus corone)

Die schwarze Krähe westlich der Elbe — häufig, anpassungsfähig und regelmäßig mit dem Kolkraben verwechselt.

Rabenkrähe auf einer Wiese: einfarbig schwarzes Gefieder, kräftiger gerader Schnabel mit befiederter Basis, gerade abgeschnittener Schwanz
Foto: Alexis Lours · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Corvus corone Linnaeus, 1758
Familie Rabenvögel (Corvidae)
Körperlänge 45–47 cm
Flügelspannweite 93–104 cm
Gewicht 370–740 g
Ruf Raues, kraftvolles „krah“ in vielen Varianten
Brut 2–6 Eier · 20 Tage Brutdauer · 28–38 Tage Nestlingszeit
Bestand in Deutschland 740.000–1.000.000 Reviere
Bestandstrend langfristig zunehmend, vor allem im Siedlungsbereich
Lebenserwartung nachgewiesen über 19 Jahre
Schutzstatus Besonders geschützt (§ 7, § 44 BNatSchG); in mehreren Bundesländern zusätzlich dem Jagdrecht unterstellt

Wenn in Deutschland jemand „eine Krähe“ sagt, ist meistens diese Art gemeint. Die Rabenkrähe ist einfarbig schwarz, etwa bussardgroß im Eindruck, und sie ist über weite Teile des Landes die häufigste größere Vogelart im offenen Gelände wie in der Stadt.

Erkennen

Einfarbig schwarzes Gefieder mit mattem, leicht bläulichem Glanz. Der Schnabel ist kräftig, aber gerade und an der Basis vollständig befiedert — dieses Detail trennt sie zuverlässig von der Saatkrähe, deren Altvögel eine nackte, hell wirkende Schnabelbasis haben.

Die zweite regelmäßige Verwechslung ist der Kolkrabe. Der ist deutlich größer, hat einen keilförmigen Schwanz statt eines gerade abgeschnittenen, einen viel schwereren Schnabel und einen tiefen, kehligen Ruf statt des hellen „krah“. Im Flug ist die Silhouette der sicherste Weg: Wer den Schwanz sieht, muss nicht raten. Ausführlich unter Rabe oder Krähe?

Verbreitung und die Sache mit der Nebelkrähe

Die Rabenkrähe besiedelt Deutschland westlich der Elbe nahezu flächendeckend. Östlich davon wird sie von der grau-schwarzen Nebelkrähe abgelöst.

Dazwischen liegt keine scharfe Grenze, sondern eine Hybridzone: ein Streifen, in dem beide Formen und ihre fruchtbaren Mischlinge nebeneinander vorkommen. In Deutschland ist sie rund 150 Kilometer breit und zieht sich vom östlichen Mecklenburg entlang der Elbe nach Süden bis nach Tschechien. Bemerkenswert daran ist ihre Beständigkeit: Untersuchungen zeigen, dass sich die Zone seit den Erhebungen von 1928 kaum verschoben hat.

Warum die Vermischung nicht weitergeht, obwohl die Hybriden fruchtbar sind, ist eine der interessanteren offenen Fragen der europäischen Ornithologie. Diskutiert werden Partnerwahl nach dem eigenen Erscheinungsbild und geringere Fitness der Mischformen.

Lebensweise

Rabenkrähen sind Allesfresser im weitesten Sinn: Wirbellose, Sämereien und Getreide, kleine Wirbeltiere, Vogeleier, Aas, Abfall. Diese Breite ist der Grund für ihren Erfolg — und für die Konflikte, die ihnen zugeschrieben werden. Was davon trägt, steht im Faktencheck.

Brutpaare besetzen ganzjährig verteidigte Reviere. Wer kein Revier bekommt, lebt in Trupps nicht territorialer Vögel, die man an Schlafplätzen zu Dutzenden bis Hunderten sieht. Diese Trupps sind der häufigste Grund für den Eindruck, es gäbe „viel zu viele“ Krähen — tatsächlich sind sie das Zeichen dafür, dass alle brauchbaren Reviere besetzt sind. Warum das so ist, erklärt der Faktencheck zur Überpopulation.

Das Nest steht meist hoch in einem Baum, oft in einer Astgabel nahe am Stamm. Gelegeverluste sind hoch und schwanken stark; je nach Jahr und Gebiet gehen zwischen 40 und über 90 Prozent der Gelege verloren.

Rechtlicher Status

Die Rabenkrähe ist nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Zugleich haben mehrere Bundesländer sie ins Landesjagdrecht aufgenommen, andere lassen Eingriffe über Ausnahmeregelungen zu. Weil das Landesrecht ist und sich regelmäßig ändert, gehört vor jeder Maßnahme ein Blick in die aktuelle Landesjagdverordnung — Übersicht unter Jagd und Ausnahmen.

Quellen

  1. avi-fauna.info: Rabenkrähe (Corvus corone) — Bestand und Verbreitung in Deutschland.
  2. Wikipedia: Rabenkrähe — Maße, Brutbiologie, Hybridzone (nach Glutz von Blotzheim & Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas).
  3. Südbeck, P. et al. (2007): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands — Bestandsangaben 2005.
  4. Gedeon, K. et al. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten (ADEBAR). Stiftung Vogelmonitoring Deutschland & DDA.

Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten