Elster (Pica pica)

Unverwechselbar schwarz-weiß mit langem Schwanz — und die Art mit dem schlechtesten Ruf.

Elster auf einer Wiese: schwarz-weißes Gefieder mit langem, metallisch grün-blau schillerndem Schwanz
Foto: Melissa McMasters · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Pica pica (Linnaeus, 1758)
Familie Rabenvögel (Corvidae)
Körperlänge 44–46 cm (davon rund die Hälfte Schwanz)
Flügelspannweite 52–62 cm
Gewicht 180–270 g
Ruf Schnell gereihtes, raues „schäck-schäck-schäck“ (Schackern) als Warn- und Reviersignal
Brut 4–7 Eier (bis 12) · 17–22 Tage Brutdauer · 24–30 Tage Nestlingszeit
Bestand in Deutschland 375.000–550.000 Brutpaare
Bestandstrend langfristig stabil; Zunahme im Siedlungsbereich, Rückgang in der offenen Feldflur
Lebenserwartung bis 16 Jahre möglich; mittlere Lebenserwartung rund 2,5 Jahre
Schutzstatus Besonders geschützt (§ 7, § 44 BNatSchG); in mehreren Bundesländern dem Jagdrecht unterstellt

Die Elster ist die einzige heimische Rabenvogelart, bei der es kein Bestimmungsproblem gibt — und die mit Abstand am schlechtesten beleumundete.

Erkennen

Schwarz-weißes Gefieder mit sehr langem, gestuftem Schwanz, der etwa die Hälfte der Gesamtlänge ausmacht. Bei Sonnenlicht zeigen Flügel und Schwanz einen kräftigen metallisch grün-blauen Glanz — die scheinbar schlichte Schwarz-Weiß-Zeichnung ist aus der Nähe alles andere als schlicht.

Am Boden bewegt sich die Elster in einer Mischung aus Laufen und Hüpfen, den Schwanz meist leicht angehoben. Der Flug wirkt durch den Schwanz auffällig langgezogen und etwas mühsam.

Nest

Das Elsternnest ist eine eigene Kategorie: eine große, kugelige Konstruktion mit einem Dach aus sperrigem Reisig und einem seitlichen Einschlupf. Der Aufwand ist erheblich, der Zweck naheliegend — Schutz des Geleges vor Krähen und Greifvögeln von oben.

Gebaut wird früh im Jahr, wenn die Bäume noch kahl sind. Deshalb sind Elsternnester im Winter so auffällig; die meisten davon sind dann längst verlassen. Elstern nutzen ein Nest in der Regel nur eine Saison und bauen im Folgejahr neu, oft im selben Revier.

Nahrung

Tierische und pflanzliche Kost über das Jahr verteilt, mit deutlicher Verschiebung: Über das Gesamtjahr macht tierische Nahrung etwa die Hälfte aus, während der Brutzeit steigt ihr Anteil auf bis zu 95 Prozent. Den Hauptteil stellen Insekten und andere Wirbellose, dazu kommen Aas, Abfall, Sämereien und Früchte.

Vogeleier und Nestlinge gehören dazu. Genau daran entzündet sich die Debatte um die Art — und deren Ergebnis ist eindeutiger, als es der öffentliche Streit vermuten lässt: Die großen britischen Langzeitauswertungen finden keinen Zusammenhang zwischen Elsternzunahme und Singvogelrückgang. Ausführlich im Faktencheck.

Der Ruf als Diebin

Der Vorwurf, Elstern trügen glänzende Gegenstände zusammen, ist experimentell geprüft worden. Das Ergebnis: keine Anziehung durch Glanz, eher Vorsicht gegenüber unbekannten Objekten. Der Ruf stammt aus der Kulturgeschichte, nicht aus der Beobachtung — nachzulesen im Faktencheck zur diebischen Elster.

Bestand

375.000 bis 550.000 Brutpaare in Deutschland, langfristig stabil. Hinter dieser Stabilität stehen zwei gegenläufige Bewegungen: deutliche Zunahme in Städten und Siedlungen, deutlicher Rückgang in der ausgeräumten Agrarlandschaft — dort sind lokale Vorkommen teils vollständig zusammengebrochen.

Die Elster hat also nicht zugenommen, sondern ist umgezogen. Sie folgt dabei genau dem, was ihr die Landschaft noch bietet: Hecken und Gebüsch für das Nest, offene Flächen für die Nahrungssuche, geringer Verfolgungsdruck. In der Stadt ist all das vorhanden, auf dem großen Schlag nichts davon.

Quellen

  1. avi-fauna.info: Elster (Pica pica) — Bestand, Trend, Verbreitung in Deutschland.
  2. Wikipedia: Elster — Brutbiologie, Nahrung, Lebenserwartung, Rechtsstatus.
  3. Shephard, T. V., Lea, S. E. G. & Hempel de Ibarra, N. (2015): "The thieving magpie"? No evidence for attraction to shiny objects. Animal Cognition 18: 393–397.
  4. Gooch, S., Baillie, S. R. & Birkhead, T. R. (1991): Magpie Pica pica and songbird populations. Journal of Applied Ecology 28: 1068–1086.

Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten