Kolkrabe (Corvus corax)

Der größte Singvogel der Welt — bussardgroß, mit keilförmigem Schwanz und tiefem, kehligem Ruf.

Kolkrabe auf einem Felsvorsprung, mit deutlich sichtbaren lanzettlichen Kehlfedern und schwerem, gebogenem Schnabel
Bildarchiv rabenvoegel.de

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Corvus corax Linnaeus, 1758
Familie Rabenvögel (Corvidae)
Körperlänge 54–67 cm
Flügelspannweite 115–130 cm
Gewicht 1.070–1.370 g
Ruf Tiefes, kehliges „krok“ oder „kraa“; in Mitteleuropa mindestens 34 unterschiedene Ruftypen
Brut 3–6 Eier (2–7) · 19–21 Tage Brutdauer · 40–42 Tage Nestlingszeit
Bestand in Deutschland 21.000–30.000 Revierpaare
Bestandstrend deutlich zunehmend
Lebenserwartung freilebend nachgewiesen 21–23 Jahre; in Gefangenschaft über 40 Jahre
Schutzstatus Dem Jagdrecht unterstellt, aber ganzjährig geschont; in einzelnen Ländern ins Naturschutzrecht überführt

Der Kolkrabe ist der größte Rabenvogel Europas und zugleich der größte Singvogel der Welt. Wer einen sieht und für eine Krähe hält, korrigiert sich meist beim zweiten Blick: Die Größenverhältnisse stimmen nicht, und der Ruf schon gar nicht.

Erkennen

Einfarbig schwarz mit metallisch grünem bis blauviolettem Glanz. Der Schnabel ist massiv und am Oberschnabel deutlich abwärts gebogen, überdeckt von borstigen Nasalfedern. Erwachsene Vögel tragen verlängerte, lanzettliche Kehlfedern, die beim Rufen abgespreizt werden.

Das sicherste Merkmal steht im Flug zur Verfügung: der keilförmige Schwanz. Bei allen heimischen Krähen ist der Schwanz gerade abgeschnitten oder leicht gerundet, beim Kolkraben läuft er in einen Keil aus. Dazu kommt das Flugbild — mehr Segeln und Gleiten als bei Krähen, oft mit Rollen und Sturzflügen, besonders im Frühjahr.

Der Ruf ist der zweite eindeutige Weg: tief, kehlig, weit tragend. Wer ihn einmal bewusst gehört hat, verwechselt ihn nicht mehr. Ausführlicher unter Rabe oder Krähe?

Rückkehr nach der Ausrottung

Der Kolkrabe ist das deutlichste Beispiel dafür, was Verfolgung mit einer Art macht — und was ihr Ende bewirkt.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde er in Mitteleuropa systematisch bekämpft: als angeblicher Schädling, als Konkurrent der Jagd, als Symbolfigur des Unheils. Um 1940 war der Tiefpunkt erreicht; in großen Teilen Deutschlands war die Art verschwunden, es hielten sich nur Restvorkommen im Nordosten und in den Alpen.

Ab etwa 1960 begann die Wiederbesiedlung, getragen von der Unterschutzstellung. Sie verlief langsam, aber stetig; heute brütet der Kolkrabe vom norddeutschen Tiefland bis in die Alpen, mit Schwerpunkten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der aktuelle Bestand liegt bei 21.000 bis 30.000 Revierpaaren, Tendenz steigend.

Wichtig für die Einordnung der heutigen Debatte: Das ist keine Überpopulation, sondern die Rückkehr in ein Areal, das der Art zuvor genommen wurde.

Lebensweise

Kolkraben leben in dauerhaften Paarbindungen und verteidigen große Reviere. Nicht verpaarte Jungvögel bilden Trupps, die gemeinsam Nahrungsquellen erschließen und an traditionellen Schlafplätzen übernachten — dort können mehrere Hundert Vögel zusammenkommen.

Sie sind Allesfresser mit ausgeprägtem Schwerpunkt auf Aas. Dazu kommen kleine Wirbeltiere, Insekten, Regenwürmer, Früchte, Getreide und Abfall. Die Aasnutzung ist der Grund, warum sie in der Nähe von Weiden und auf Wildunfallstrecken auffallen — und die Quelle des Vorwurfs, sie töteten Lämmer und Kälber. Was daran stimmt und was nicht, steht im Faktencheck zu Lämmern und Kälbern.

Das Nest steht in hohen Bäumen, an Felswänden, zunehmend auch an Masten und Industriebauten. Gebrütet wird früh: Die Jungen schlüpfen oft schon im März.

Kognition

Kolkraben gehören zu den am intensivsten untersuchten Tieren der Verhaltensforschung. Belegt sind unter anderem vorausschauendes Planen für Situationen, die erst am nächsten Tag eintreten, taktisches Verhalten beim Verstecken von Nahrung in Anwesenheit von Konkurrenten und ein differenziertes Verständnis sozialer Beziehungen innerhalb der Gruppe. Mehr dazu unter Intelligenz.

Rechtlicher Status

Der Kolkrabe unterliegt bundesrechtlich dem Jagdrecht, ist dort aber ganzjährig geschont — er darf also nicht bejagt werden. Einzelne Bundesländer haben ihn aus dem Jagdrecht herausgenommen und dem Naturschutzrecht unterstellt. Bei nachgewiesenen erheblichen Nutztierschäden sehen die Länder Ausnahmeverfahren vor; die Anforderungen sind hoch. Details unter Jagd und Ausnahmen.

Quellen

  1. avi-fauna.info: Kolkrabe (Corvus corax) — Bestand, Trend und Verbreitung in Deutschland.
  2. Wikipedia: Kolkrabe — Maße, Ruftypen, Brutbiologie, Bestandsentwicklung seit 1940.
  3. LBV: Artenporträt Kolkrabe — Maße und Kennzeichen.
  4. Kabadayi, C. & Osvath, M. (2017): Ravens parallel great apes in flexible planning for tool-use and bartering. Science 357: 202–204.

Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten