Nebelkrähe (Corvus cornix)
Die grau-schwarze Krähe des Ostens — bis vor kurzem als Unterart der Rabenkrähe geführt.

Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Corvus cornix Linnaeus, 1758 |
|---|---|
| Familie | Rabenvögel (Corvidae) |
| Körperlänge | 48–54 cm |
| Flügelspannweite | rund 100 cm |
| Gewicht | 400–600 g (Ø 510 g) |
| Ruf | Wie die Rabenkrähe: raues „krah“, nicht sicher unterscheidbar |
| Brut | wie Rabenkrähe · 4–6 Eier · rund 20 Tage Brutdauer |
| Bestand in Deutschland | 63.000–84.000 Brutpaare (Stand 2007) |
| Bestandstrend | stabil |
| Lebenserwartung | wie Rabenkrähe, über 15 Jahre möglich |
| Schutzstatus | Besonders geschützt (§ 7, § 44 BNatSchG); in einzelnen Bundesländern dem Jagdrecht unterstellt |
Die Nebelkrähe ist der auffälligste Fall im ganzen Themenfeld: eine Krähe, die man auf hundert Meter erkennt und über deren Artzugehörigkeit trotzdem jahrzehntelang gestritten wurde.
Erkennen
Kein Bestimmungsproblem. Rumpf und Unterseite sind aschgrau, Kopf, Kehle, Flügel, Schwanz und Hosen schwarz. Schnabel, Augen und Füße schwarz. Größe, Verhalten, Stimme und Lebensweise entsprechen im Übrigen der Rabenkrähe so genau, dass sich beide außer am Gefieder kaum trennen lassen.
Wo sie vorkommt
In Deutschland östlich der Elbe. Das Areal setzt sich nach Osteuropa, Skandinavien und bis nach Vorderasien fort; in Italien und auf den britischen Inseln gibt es weitere Vorkommen.
Zwischen Nebel- und Rabenkrähe liegt eine rund 150 Kilometer breite Hybridzone, die vom östlichen Mecklenburg entlang der Elbe nach Süden bis Tschechien verläuft. Dort brüten beide Formen nebeneinander, und ihre Mischlinge sind fruchtbar — sie zeigen alle Übergänge von fast schwarz bis fast vollständig grau.
Das eigentlich Erstaunliche ist, dass diese Zone nicht wandert. Ein Vergleich mit Erhebungen von 1928 ergab, dass sie über rund achtzig Jahre weitgehend am selben Ort geblieben ist. Wären beide Formen ökologisch und genetisch beliebig austauschbar, müsste sich die Vermischung längst in die Fläche ausgebreitet haben.
Art oder Unterart?
Lange galt die Nebelkrähe als Unterart der Rabenkrähe, geführt als Corvus corone cornix. Seit Anfang der 2000er Jahre stufen die maßgeblichen taxonomischen Referenzen sie überwiegend als eigene Art Corvus cornix ein. Die Begründung stützt sich vor allem auf die Stabilität der Hybridzone und auf genetische Befunde zur Partnerwahl.
Einheitlich ist das nicht: Einzelne Standardwerke behandeln sie weiterhin als Unterart. Für die Praxis spielt das kaum eine Rolle — für die Frage, was eine Art überhaupt ausmacht, ist der Fall ein oft zitiertes Lehrbuchbeispiel.
Ältere Literatur, auch der größte Teil der deutschen Fachliteratur bis in die 2000er Jahre, führt Rabenkrähe und Nebelkrähe zusammen unter dem Sammelbegriff Aaskrähe. Wer alte Bestandszahlen oder Rechtstexte liest, findet dort deshalb oft nur diesen einen Namen. Mehr dazu unter Rabenkrähe oder Nebelkrähe?
Bestand und Schutz
Der deutsche Bestand wurde für 2005 auf 63.000 bis 84.000 Brutpaare geschätzt und gilt als stabil; die Art fällt damit in die Häufigkeitsklasse „mäßig häufig“. Sie ist besonders geschützt; einzelne Bundesländer haben sie zusätzlich dem Jagdrecht unterstellt.
Quellen
- Wikipedia: Nebelkrähe — Maße, Verbreitung, Hybridzone, Artstatus.
- Südbeck, P. et al. (2007): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands — Bestandsangaben 2005.
- IOC World Bird List: taxonomische Einstufung von Corvus cornix als eigene Art.
Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten