Nebelkrähe (Corvus cornix)

Die grau-schwarze Krähe des Ostens — bis vor kurzem als Unterart der Rabenkrähe geführt.

Nebelkrähe auf einer Wiese: aschgrauer Rumpf, schwarzer Kopf, schwarze Flügel und schwarzer Schwanz
Foto: Donald Judge · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Corvus cornix Linnaeus, 1758
Familie Rabenvögel (Corvidae)
Körperlänge 48–54 cm
Flügelspannweite rund 100 cm
Gewicht 400–600 g (Ø 510 g)
Ruf Wie die Rabenkrähe: raues „krah“, nicht sicher unterscheidbar
Brut wie Rabenkrähe · 4–6 Eier · rund 20 Tage Brutdauer
Bestand in Deutschland 63.000–84.000 Brutpaare (Stand 2007)
Bestandstrend stabil
Lebenserwartung wie Rabenkrähe, über 15 Jahre möglich
Schutzstatus Besonders geschützt (§ 7, § 44 BNatSchG); in einzelnen Bundesländern dem Jagdrecht unterstellt

Die Nebelkrähe ist der auffälligste Fall im ganzen Themenfeld: eine Krähe, die man auf hundert Meter erkennt und über deren Artzugehörigkeit trotzdem jahrzehntelang gestritten wurde.

Erkennen

Kein Bestimmungsproblem. Rumpf und Unterseite sind aschgrau, Kopf, Kehle, Flügel, Schwanz und Hosen schwarz. Schnabel, Augen und Füße schwarz. Größe, Verhalten, Stimme und Lebensweise entsprechen im Übrigen der Rabenkrähe so genau, dass sich beide außer am Gefieder kaum trennen lassen.

Wo sie vorkommt

In Deutschland östlich der Elbe. Das Areal setzt sich nach Osteuropa, Skandinavien und bis nach Vorderasien fort; in Italien und auf den britischen Inseln gibt es weitere Vorkommen.

Zwischen Nebel- und Rabenkrähe liegt eine rund 150 Kilometer breite Hybridzone, die vom östlichen Mecklenburg entlang der Elbe nach Süden bis Tschechien verläuft. Dort brüten beide Formen nebeneinander, und ihre Mischlinge sind fruchtbar — sie zeigen alle Übergänge von fast schwarz bis fast vollständig grau.

Das eigentlich Erstaunliche ist, dass diese Zone nicht wandert. Ein Vergleich mit Erhebungen von 1928 ergab, dass sie über rund achtzig Jahre weitgehend am selben Ort geblieben ist. Wären beide Formen ökologisch und genetisch beliebig austauschbar, müsste sich die Vermischung längst in die Fläche ausgebreitet haben.

Art oder Unterart?

Lange galt die Nebelkrähe als Unterart der Rabenkrähe, geführt als Corvus corone cornix. Seit Anfang der 2000er Jahre stufen die maßgeblichen taxonomischen Referenzen sie überwiegend als eigene Art Corvus cornix ein. Die Begründung stützt sich vor allem auf die Stabilität der Hybridzone und auf genetische Befunde zur Partnerwahl.

Einheitlich ist das nicht: Einzelne Standardwerke behandeln sie weiterhin als Unterart. Für die Praxis spielt das kaum eine Rolle — für die Frage, was eine Art überhaupt ausmacht, ist der Fall ein oft zitiertes Lehrbuchbeispiel.

Ältere Literatur, auch der größte Teil der deutschen Fachliteratur bis in die 2000er Jahre, führt Rabenkrähe und Nebelkrähe zusammen unter dem Sammelbegriff Aaskrähe. Wer alte Bestandszahlen oder Rechtstexte liest, findet dort deshalb oft nur diesen einen Namen. Mehr dazu unter Rabenkrähe oder Nebelkrähe?

Bestand und Schutz

Der deutsche Bestand wurde für 2005 auf 63.000 bis 84.000 Brutpaare geschätzt und gilt als stabil; die Art fällt damit in die Häufigkeitsklasse „mäßig häufig“. Sie ist besonders geschützt; einzelne Bundesländer haben sie zusätzlich dem Jagdrecht unterstellt.

Quellen

  1. Wikipedia: Nebelkrähe — Maße, Verbreitung, Hybridzone, Artstatus.
  2. Südbeck, P. et al. (2007): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands — Bestandsangaben 2005.
  3. IOC World Bird List: taxonomische Einstufung von Corvus cornix als eigene Art.

Stand: 25. Juli 2026 · alle Arten